Digitalisierung Parking

 

 

Digitalisierung der Parking-Industrie – was ist das?

Die Digitalisierung der Industrie ist im vollen Gange und macht auch vor der Parking-Industrie keinen Halt. Doch was genau ist darunter zu verstehen?

Digitalisierung versteht sich in diesem Zusammenhang als die Ablösung von materiellen Produkten und Dienstleistungen durch Virtualisierung. Das heißt, dass Produkte und Dienstleistungen durch Software und Apps ersetzt werden. Ermöglicht wird dies durch das omnipräsente Internet und multifunktionale Geräte, wie Handys, Navis und Tablets, welche Menschen als Informationsgeber und Maschinen/Geräte vor Ort ablösen. Ein Beispiel dafür ist die Abschaffung von personenbesetzten Kassen und Kassenautomaten, wenn registrierte Benutzer über ein ID-Medium bei der Ein- und Ausfahrt in die Parkgarage erfasst werden und im Nachgang über ein Internet-Kundenkonto abgerechnet werden.

 

Die Digitalisierung ermöglicht neue Services

Mit der Digitalisierung kann sogar eine Steigerung der Servicequalität und der Kundenzufriedenheit erreicht werden, indem vormals getrennte Dienstleistungen und Funktionen jetzt miteinander vernetzt und für den Nutzer transparent werden. Im Web 3.0 spricht man von Semantik, bei der Dinge miteinander in Relation gesetzt werden. In Verbindung mit Apps werden Operationen, die bislang Personal oder Geräte des Dienstleistungsanbieters durchgeführt haben, durch den Benutzer und dessen Endgerät vorgenommen (Beispiel: Bestellen und Bezahlen von Dienstleistungen mit dem Handy).

 

Transparent sorgt für mehr Wettbewerb

Für den Park-Betreiber eröffnet die Digitalisierung erhebliche Einsparungspotentiale in Arbeitskraft und Geräteinfrastruktur. Allerdings wird dieser sich auch einem zunehmend härteren Wettbewerb stellen müssen: Dies ergibt sich aus der besseren Transparenz für die Parkkunden und neue Park-Dienstleister, die die Investitionshürde für eine Geräteinfrastruktur nicht mehr haben.

 

Die Digitalisierung der Parking-Industrie folgt dem Fortschritt des Internets. Folgende Entwicklungsstufen sind zu beobachten:

 

Stufe 1 – Information (Web 1.0)

Das Internet dient als Informations- und Werbemedium und zur Übermittlung von Daten. Parking-Betreiber informieren über Standorte und Dienstleistungen und liefern Informationen über verfügbare Stellplätze. Das Internet wird zur Vernetzung von bestehenden Anlagen verwendetet (Zentralisierung).

 

Stufe 2 – Interaktion (Web 2.0)

Parken wird transparent, beispielsweise durch soziale Netzwerke, aber zunehmend auch durch Informationsplattformen, die das Parken mit in das „Benutzererlebnis“ einbeziehen. Ähnlich wie bei Tankstellen, bei denen es bereits die zentrale Preisauskunft gibt, wird zukünftig der Preisvergleich das Benutzerverhalten von Autofahren beeinflussen. Mobility Apps von verschiedenen Anbietern ermöglichen es den Benutzern Bewertungen zum Parkvorgang abzugeben. Preis, Qualität und Marketingpräsenz erhalten zunehmend Bedeutung zum reinen Standortfaktor von Parkgaragen.

 

Stufe 3 - Substituierung (Web 3.0)

In dieser Stufe findet ein grundlegender Wandel der Industrie statt. Bestehende Infrastruktur wird zunehmend ersetzt. Dieser Trend ist im On-Street-Parking gut zu beobachten. So werden beispielsweise schon heute im Car-Sharing Geschäftsmodelle mit Kommunen vereinbart, bei denen die Verrechnung von Parkgebühren über eine im Fahrzeug integrierte GPS-Satellitennavigation und eine angebundenen Tarifierungsplattform erfolgt. Die registrierten Parktransaktionen werden direkt mit dem Car-Sharing-Anbieter abgerechnet. Eine Geräte-Infrastruktur für das Parken ist nicht mehr notwendig. Mit einem neuen Array auf einer virtuellen Karte kann jedes Terrain als gebührenpflichtiger Parkplatz definiert werden.

 

Stufe 4 - Virtualisierung (Web ?)

Die letzte Stufe der Digitalisierung wäre letztlich die Abschaffung des Parkvorgangs an sich und damit auch die Notwendigkeit Parkraum zur Verfügung zu stellen. Virtuelles Reisen braucht keine Parkplätze. Dies ist sicherlich (und auch hoffentlich) nicht in naher Zukunft zu erwarten. Dennoch ist es interessant die Dinge vom Ende her zu betrachten. Wo führt also die zunehme Virtualisierung hin und was bedeutet dies für die Akteure in der Industrie?

Einen Meilenstein auf dem Weg dahin wird das autonome Parken/Fahren darstellen. Für den Benutzer wird das Parken als Teil der Reiseplanung obsolet: Er kann zwischen verschiedenen Modi wählen, nachdem er sein Ziel erreicht hat:

  1. Im Car-Sharing wird der Nutzer direkt am gewünschten Zielort aussteigen und das Auto wird selbstständig zum nächsten Nutzer fahren.
  2. Für den Kurzeinkauf fährt das Auto um den Block. Ein Parkvorgang wird eventuell gar nicht ausgelöst.
  3. Bei längeren Aufenthalten wird die kostengünstigste Möglichkeit aus Fahrtstrecke und Parktarif errechnet, um auf Abruf wieder zum Benutzer zurückzukehren, der übrigens in der Zwischenzeit auch an einer ganz anderen Stelle wieder zusteigen möchte.
  4. Denkbar wäre auch, dass das Auto ganz ohne Fahrer Besorgungen erledigt und der gewünschte Einkauf lediglich am Zielort kurz eingeladen wird.

 

Auch wenn diese Szenarios sicherlich ordungspolitischen Regelungen unterliegen dürften, zeigt es doch, dass sich auch beim Parkraum massive Änderungen ergeben werden. Diese betreffen den Standort, die Bauweise von Parkgaragen und die im Verbund stehende Services. Zu erwarten ist außerdem möglicherweise ein Überangebot an Stellplätzen. Die Digitalisierung des Parkgeschäfts wird daher auch Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft in neue Parkgaragen haben. In jedem Fall wir dies Veränderungen in Bezug auf die Standorte und die Bauweise von Parkraum mit sich bringen.

Welche Auswirkungen sind wegen der Digitalisierung für die Branche zu erwarten...

 

Autofahrer/Anwender:

Der Anwender kann sich freuen: Neben einem transparenten Angebot und kurzen Wegen wird er zukünftig ganz vom eigentlichen Parkvorgang befreit.

Hersteller von Parksystemen:

Es wird zunehmend weniger Infrastruktur (Geräte) geben. Entsprechend weniger Geräte werden nachgefragt.

 

Eigentümer von Parkgaragen:

Standortvorteile und Bauweise von Parkgaragen werden sich ändern. Zunehmender Wettbewerb wird zu einem Preisverfall führen.

 

Betreiber von Parkgaragen:

Das Know-How wird sich vom „Betreiber des Parkraums“ hin zum vernetzten Marketing verlagern. Hier spielen neue Preismodelle und eine strategische Vernetzung mit den Anwendern eine zunehmend große Rolle.

 

 

 

Es bleibt spannend... Sind Sie fit für die Digitalisierung des Parkens?